110 Jahre Internationaler Frauentag

08. März 2021

Heuer jährt sich der Internationale Frauentag zum 110. Mal. Der Kampf für die „Befreiung der Frau“ - und somit für die „Befreiung der Gesellschaft“ ist aktuell wie nie. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen befasst sich seit langem sehr intensiv mit dem Thema Gleichberechtigung – nicht nur aber deutlich auch in Bezug auf den Internationalen Frauentag, der am 8. März begangen wird. „Niemand vergisst dabei, dass wir auf dem Weg der Gleichberechtigung schon ein gutes Stück gegangen sind“, so Valentina-Amalia Dumitru, die Vorsitzende der Sozialdemokratinnen im Unterbezirk Bayreuth. „Der Artikel 3 unseres Grundgesetzes formuliert, Männer und Frauen sind gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft. Doch was bedeutet das in der Realität?“

Dass Frauen bis zu 21% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen ist hinlänglich bekannt. Dass Frauen den höheren Anteil an qualifizierten Bildungs- und Hochschulabschlüssen bestreiten ist ebenso nachgewiesen wie die Tatsache, dass dieser Umstand sich nicht in einer adäquaten Teilhabe an beruflich relevanten Positionen in allen Teilen des Berufslebens, in der Industrie, in der Wirtschaft und auch in der Wissenschaft niederschlägt. Je höher die Hierarchien werden, desto dünner der Frauenanteil. Das ist kein Zufall sondern hat System, noch immer gestützt durch „traditionelle“ bindende Strukturen in unserer Gesellschaft.

Vorstandsposten in Deutschland sind in der Regel immer noch Männersache: So ist der Frauenanteil auch bei den börsennotierten und zugleich paritätisch mitbestimmten Unternehmen nach wie vor äußerst gering. Und von allein wird sich daran auch nichts ändern: Rund 78 Prozent der Unternehmen, die zur Festlegung einer Zielgröße verpflichtet sind, setzen sich entweder gar keine oder die Zielgröße „null Frauen“. „Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Quoten wirken - freiwillig funktioniert es nicht“, sagt die Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme. Die SPD wolle daher die Unternehmen stärker in die Verantwortung nehmen. Mit dem Entwurf für das Zweite Führungspositionen-Gesetz soll den Unternehmen eine feste Quote vorgeschrieben werden: So sollen die börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen mindestens eine Frau in den Vorstand berufen, wenn er mehr als dreiköpfig und rein männlich besetzt ist.

Was haben wir dabei übersehen, bzw. noch nicht entschieden genug eingefordert? Es geht um Respekt und Gleichstellung. Gleichberechtigung erfordert diesen Respekt und Wertschätzung! „Es geht darum, Frauen mit ihrer Sicht auf das Leben, mit ihren so vielfältigen Qualifikationen und Fähigkeiten, mit ihren Erfahrungen, mit ihrem häufig sprichwörtlichen Pragmatismus im Alltag und ihrer unwahrscheinlichen Leistungsfähigkeit in Krisenzeiten diese Gleichstellung mit den „männlichen Tugenden“, an denen sich unsere Gesellschaft so häufig orientiert, zu geben. Respekt und Wertschätzung sind Schlüsselqualitäten einer demokratischen Gesellschaft“, so Zuhal Giray, stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokratinnen.

Seit einem Jahr leben wir nun in der Ausnahmesituation einer weltweiten Pandemie, die uns international sehr sehr hart fordert. Sie trifft uns alle in diesem globalen Ausnahmezustand und die Bewältigung dieser Pandemie liegt an uns allen. Allerdings zeigt sich, dass uns Corona sehr unterschiedlich trifft: nicht nur in Bezug auf arme und reiche Länder und Gesellschaften sondern auch in unserem Land zeigt sich, dass die Corona-Krise vor allem Frauen hart trifft!

Nach Aussage der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, sind Frauen in dieser Krise besonders hart betroffen, weil der Frauenanteil in den aktuell besonders herausgeforderten „systemrelevanten“ Berufsgruppen bei knapp 75% liegt. In Krankenhäusern arbeiten 76% Frauen, im Einzelhandel 72,9%, in Kindergärten und Vorschulen 92%. Dazu kommt, dass Frauen häufiger in kleineren Dienstleistungsbetrieben ohne Tarifvertrag arbeiten. Nur 20% der Beschäftigten in der Pflege arbeiten zu tariflichen Bedingungen.

Diese Corona-Pandemie wirft ein Schlaglicht auf bestehende und miteinander verflochtene Ungleichheiten und verstärkt sie. Aber dagegen können wir etwas tun! Es geht nicht darum, nur zu klagen, sondern die Gelegenheit zu nutzen, neue Rahmenbedingungen zu gestalten! Die Chance auf eine breite gesellschaftliche Resonanz frauenpolitischer Themen zeigen 94% der Befragten einer Böckler Studie, die die Forderung nach besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in „systemrelevanten“ Berufen wie Pflege oder Einzelhandel unterstützen.

„Wir fordern daher jetzt“, so die Sozialdemokratinnen, „die Krise nicht nur gesundheitlich und wirtschaftlich sondern verstärkt auch sozial und ökologisch, familien-, kinder- sowie geschlechtergerecht zu bewältigen und zu gestalten“! Dabei geht es u.a. um die Forderung einer geschlechtergerechten, paritätischen Besetzung entscheidungsgebender politischer Gremien, insbesondere auch bei der Krisenbewältigung, um vor allem arbeitsmarkt- und sozialpolitische Maßnahmen wie z.B. klare gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Belange im Home Office und einer Neuorientierung in der Arbeitswelt, beim Elterngeld in Coronazeiten, in Bezug auf flächendeckende Tarifverträge in der Pflegearbeit, bei Qualifizierungsoffensiven hinsichtlich Digitalisierung etc. und bei der Einführung und Vereinheitlichung von Pandemieplänen für das Erziehungswesen und die Kinderbetreuung zu entwickeln und umzusetzen.

Das Gelingen ist abhängig von einer gemeinsamen Anstrengung und einem gemeinsamen Zusammenwirken in unserer Gesellschaft, basierend auf Respekt und Wertschätzung, um die notwendigen Weichen für die Zukunft unserer Gesellschaft zu stellen. „Wir brauchen keine Diskussion über den 8. März als künftigen Feiertag, wir brauchen Entschlossenheit, um nach 110 Jahren einen weiteren entscheidenden Schritt in Bezug auf die Ziele dieses Tages zu schaffen“, so Valentina-Amalia Dumitru.

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